Die f I glass GmbH hat jetzt ihr neues Solarglaszentrum in Betrieb genommen. Jährlich werden bis zu 7 Millionen Quadratmeter hochlichtdurchlässiges Floatglas für die Photovoltaik- und Solarthermieindustrie hergestellt. Die Anlage ist die modernste in Europa, die auf die Bedürfnisse der Solarbranche abgestimmt ist. Produziert wird unter anderem extrem eisenarmes beschichtetes Glas, das Energietransmissionswerte von über 95 Prozent erreicht. 
Steffen Kittler ist kaufmännischer Leiter für den Bereich Solarprodukte bei der Interpane Glasbeschichtungsgesellschaft, einem der bedeutendsten Glashersteller und –veredeler Europas. Der 30jährige zeigt auf eine eingezäunte und mit tausenden von Solarmodulen bestückte Wiese. „Wir testen hier“, sagt er, „unsere beschichteten und unbeschichteten Gläser“. Genau 8880 Siliziummodule zählt das 2,1 Megawatt-Solarkraftwerk vor den Toren der südniedersächsischen Kleinstadt Lauenförde, wo auch die Interpane AG ihren Hauptsitz hat. Man wolle, erläutert Kittler, mit der Anlage die reellen Leistungsdaten ermitteln. Bei beschichteten Gläsern sei eine Mehrausbeute von bis zu fünf Prozent ermittelt worden. Kittler: „Das lohnt sich auf jeden Fall.“ Erreicht würden Mehrerträge für Modulproduzenten und Investoren.
Anlagen exakt auf Prozesse abgestimmt
In Osterweddingen, nur wenige Kilometer von der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt Magdeburg entfernt, hat die f Ι glass GmbH nach der Floatanlage jetzt auch ihr Solarglaszentrum in Betrieb genommen. Das Jointventure-Unternehmen, an dem der niederländische Glashersteller Scheuten und die Interpane AG beteiligt sind, verfügt damit europaweit nicht nur über die einzige eigens für die Herstellung von sehr hellem Solarglas ausgelegte Floatanlage. Die Produkte werden auch direkt vor Ort im Solarglaszentrum weiter veredelt. Möglich machen das hochleistungsfähige Maschinen und Anlagen, die exakt auf die jeweiligen Prozesse und Verfahren abgestimmt sind. In Osterweddingen, sagt Kittler, „ist vom Sand bis zum fertigen Produkt alles unter einem Dach“ und das gebe es „nur sehr selten“.
Produziert wird extrem eisenarmes und damit hoch lichtdurchlässiges Glas für die Solarindustrie. Von der Floatanlage, die eine Tageskapazität von brutto 700 t hat, gelangen die Scheiben in die Beschichtungsanlage. Hier wird im Vakuumverfahren eine Antireflexschicht aus Siliziumoxid, dem Hauptbestandteil von Glas, aufgetragen. „Wir beschichten“, und auf diese Feststellung legt Kittler wert, „also Glas mit Glas“. Das garantiere absolute Haltbarkeit und Härte. Bei beidseitiger Beschichtung werde der Energieeintrag der Solarmodule optimiert. Kittler: „Was wir verkaufen ist Transmission. Das ist unser Hauptprodukt.“
Mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung
Neben veredeltem Solarglas wird die Anlage, die es immerhin auf eine Jahreskapazität von über sechs Millionen Quadratmeter bringt, auch zur Herstellung sogenannter low emissivity (low e) Beschichtungen für Niedrigenergieverglasungen genutzt. Entworfen, konstruiert und zusammengebaut wurde sie vom 30köpfigen Interpane-Entwicklungsteam. Die Techniker aus Lauenförde verfügen über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrungen im Anlagenbau. „Unsere Kernkompetenz“, unterstreicht Kittler, „ist die Glasbeschichtung.“ Im Zuschnitt sowie im Auflege- und Abstapelbereich arbeite man mit der Hegla-Gruppe zusammen. Christoph Sedtke ist dort im Vertrieb für den Solarbereich zuständig. Hegla hat unter anderem die Unterflurstapler, die Schneid- und Brechanlagen sowie Systeme zur automatischen Fehlererkennung geliefert. Die Bearbeitungskapazität, informiert Sedtke, liege bei brutto sieben Millionen Quadratmetern jährlich.
Als Lieferanten mit im Boot sind neben Hegla auch die Benteler-Gruppe und die Zippe Industrieanlagen GmbH. Der deutsche Maschinenbauer Benteler hat die Schleiflinie und die Bohrportale, mit denen die Löcher für die Anschlüsse der Solarzellen hergestellt werden, geliefert. Hinzu kommt noch die Glaswaschmaschine. Sie arbeitet, wie Marc Orzech, der in der Benteler-Gruppe für den Vertrieb von Maschinen für die Solarindustrie verantwortlich zeichnet, erläutert, mit sehr hoher Geschwindigkeit, die bei Bedarf noch um etwa 25 Prozent gesteigert werden kann. Ebenfalls von Benteler stammt die Anlage zur automatischen Entladung am Ende des gesamten Herstellungsprozesses. Mit ihr werden die Scheiben nach dem ESG-Prozess oberflächenberührungsfrei abgestapelt. Die Maschine, die das Trennmittel zur Verfügung stellt, stammt auch von Benteler. 
Schlüsselfertig geliefert
Lieferant im Bereich Scherbenentsorgung ist der ebenfalls aus Deutschland kommende Spezialist für Schmelzgutaufbereitungsanlagen, die Zippe Industrieanlagen GmbH. Die gesamte Anlage, erläutert Karlheinz Firmbach, der in dem Unternehmen für die Projektplanung zuständig ist, „haben wir schlüsselfertig ausgeführt, also mit Stahlbau, Transport, Montage, Verkabelung und Inbetriebnahme“. - Dasselbe gilt für die anderen Zulieferer. Auf der glasstec/solarpeq, die vom 28. September bis 1. Oktober in Düsseldorf stattfindet, werden sie ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen vorstellen.
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