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Sonnige Zeiten für Folienhersteller

Einen Großteil ihrer Zeit verwenden die Techniker von Troisfol darauf, ihr Produkt unsichtbar zu machen: Eng muss sich die Sicherheitsfolie an Fensterglas und an Windschutzscheiben schmiegen, ohne Falten, Bläschen und Verfärbung. Bei 140 Grad Temperatur und zwölf Bar Druck werden Glas und Folie zusammengepresst. Der Kuppel des Reichstags in Berlin oder den Fenstern des Posttowers in Bonn etwa sieht man ihr Innenleben nicht an. Aber in der Architektur sorgen die transparenten Kunststoffbahnen zwischen den Glasscheiben für Stabilität. Im Automobilbau verhindert die Folie, dass das Glas bei einem Unfall zu gefährlichen Scherben zerspringt. Bereits in den 1930er Jahren wurde das Verfahren einwicklet.

Investitionsschub

Neben den etablierten Märkten könnte die Photovoltaik Trosifol einen enormen Investitionsschub bescheren. In einem so genannten „Dünnschichtverfahren" verbinden die Folien Schutz-Glasscheiben mit den dünnen Platten der Solarmodule. Um auf die rapide wachsende Nachfrage zu reagieren, nahm das Werk auf dem ehemaligen HT-Gelände jetzt eine vierte Produktionsanlage in Betrieb, dank der die Jahresproduktion der 3,21 Meter breiten Folien von 30 000 auf 42 000 Tonnen gesteigert werden kann. Zwölf Millionen Euro wurden investiert. „Das ist ein riesiger Wachstumsbereich", prognostiziert Trosifol-Chef Karl-Heinz Spieß, „Photovoltaik und Glasindustrie wachsen zusammen."

Die technische Herausforderung für Trosifol besteht laut Spieß unter anderem darin, die Wasseraufnahmefähigkeit der Folien zu reduzieren und an der Leitfähigkeit des Materials zu arbeiten. Zudem müssen Kontakte die erzeugte Energie aus den Elementen hinausleiten, die anders als herkömmliche Anlagen, zwar weniger leistungsstark sind, dafür aber schon bei diffusem Licht arbeiten und nicht auf Sonnenwetter angewiesen sind. Acht Jahre Ent

MÄRKTE

UND MACHER

Das Wirtschaftsporträt

wicklungsarbeit hat die Firma, die 2005 von dem japanischen Konzern Kuraray gekauft wurde, bereits investiert. Vor einigen Jahren sei Spieß auf einer Fachmesse noch ungläubig bestaunt worden, als er die Neuentwicklung vorstellte. „Heute rennen uns die Firmen die Türen ein." Ein Unternehmen habe bereits Interesse an 20 Millionen Quadratmetern Spezialfolie angemeldet - bei 50 Millionen Quadratmetern liegt derzeit die mögliche Jahreskapazität von Trosifol. „Wir müssen anderen Unternehmern glaubhaft versichern, dass wir dieses Wachstum begleiten können." Bis 2012 müsse die Produktion der Folien mehr als verdoppelt werden.

In der Jahresplanung kalkuliert Trosifol mit Absatzsteigerungen von zehn bis 15 Prozent, wobei die Photovoltaik noch nicht eingerechnet ist. Einen strategischen Vorteil hat Trosifol durch die Konzernmutter: Kuraray stellt die Kunststoffharze für die Folienproduktion selbst her. „Wir werden hier weiter investieren", ist Spieß sicher. Die japanische Unternehmenskultur bestärkt ihn in seinem Optimismus, dass die Arbeitsplätze in Troisdorf sicher sind.

Nachwuchsförderung

„In Japan zählt die Firmenzugehörigkeit noch etwas."

Über die HT ist Trosifol aus der alten Dynamit Nobel hervorgegangen, und Spieß hofft, dass man eines Tages an alte Zeiten und klangvolle Namen anknüpfen kann. Helfen sollen dabei Kooperationen zum Wohl junger Menschen. „Für uns beginnt Nachwuchsförderung nicht erst im Berufsalltag", so Spieß. „Ich kann einfach nicht einsehen, dass Hauptschüler nicht ausbildungsfähig sein sollen." Zur Not müsse man eben für Nachhilfeunterricht sorgen. Trosifol arbeitet mit der Hauptschule Lohmarer Straße in Troisdorfer und dem Rhein-Sieg-Gymnasium in Sankt Augustin zusammen. „Wir wollen zeigen, dass es hier tolle Ausbildungsplätze gibt und dass es sich lohnt, hier eine Lehre zu machen oder nach dem Studium eine Stelle anzunehmen." Auch das russische Werk in Nischni-Nowgorod folgt der Linie. Dort besteht eine Kooperation mit der Universität für Architektur und Bauwesen.

Trosifol beschäftigt insgesamt 300 Mitarbeiter, 220 davon am Standort Troisdorf. Der Kuraray-Konzern beziffert seinen Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 2006 / 2007 mit 2,4 Milliarden Euro und hat weltweit 7000 Beschäftigte.


29.02.2008, Kuraray

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