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Riedel will Glasdynastie bei 100 Mio.Dollar Umsatz übernehmen

TT: Sie leben seit sechs Jahren in den USA und leiten die Geschicke von Riedel. Fühlen Sie sich mehr als Tiroler oder Amerikaner?

Riedel: Im Prinzip fühle ich mich schon mehr als Amerikaner. Das ist mir zuletzt aufgefallen, als vor ein paar Wochen Tirols Landeshauptmann van Staa in den USA war und mit ein paar Tirolern wie mir essen ging.

TT: Das heißt den typischen "American Way of Life" gibt es.

Riedel: Ja, ganz sicher. In den USA lebt man viel freier und wird mehr res­pektiert. Nur über die Politik der USA rede ich nicht gerne.

TT: Wie sehen Sie Tirol von außen?

Riedel: Tirol muss lockerer werden. Immer wenn ich zuhause bin, spüre ich bei den Leuten einen permanenten Frust, zum Beispiel beim Ausgehen. Auch die Neidgesellschaft stört mich. Den Unternehmerfamilien könnte durchaus etwas mehr Respekt entgegengebracht werden.

TT: Das heißt ,es zieht Sie nicht unbedingt wieder zurück nach Kufstein. Dabei sollten Sie doch bald das Kommando bei Riedel übernehmen.

Tiroler-Adler-Tattoo

Riedel: Alle meine Freunde, die mit mir die Fachhochschule absolvierten und jetzt im Job Erfolg haben, arbeiten nicht in Tirol. Das ist doch ein Warnsignal. Sie haben Jobs in München, Frankfurt oder London. Das Riedel-Kommando zu übernehmen kann ich mir gut vorstellen. Aber ob ich das von Kufstein aus mache, kann ich heute noch nicht sagen. Ich weiß nicht, ob ich wieder in Tirol leben will. Das hat aber nichts mit unserem Standort in Tirol zu tun. Kufstein ist unbestritten und bleibt wie bisher erhalten.

TT: Wo könnten Tiroler von Amerikanern lernen?

Riedel: Beim Patriotismus. Zu wenige Tiroler sind stolz darauf, Tiroler zu sein. Das fehlt mir. Die Amerikaner übertreiben. Fast an jeder Hausecke weht die US-Flagge. Aber wenn sich jemand einen kleinen Tiroler Adler tätowieren lässt, würde er in Tirol wohl belächelt. Ich überlege, das zu tun. Ich war übrigens auch der Einzige aus meinem Freundeskreis, der beim Bundesheer war. Dass ich in Österreich versteuere, ist Ehrensache. Das Heimatgefühl muss die Politik aus meiner Sicht stärken.

TT: Wie könnte so etwas positiv stimuliert werden?

Riedel: Das fängt beim Tourismus an. Wo bleibt die klare Ansage, dass Tirol ein Tourismusland ist. Die Politiker sollen sagen, dass wir die Deutschen lieben. Sie bringen das Geld ins Land. Stattdessen nörgeln wir immer an den Gästen herum. Das verstehe ich nicht. Die Tirol Werbung macht einen guten Job, ich bin ein Fan dieser professionellen Arbeit.

Politik: Zu wenig Mut

TT: Wie bekannt ist Tirol in den Vereinigten Staaten?

Riedel: In Amerika kennt man nur zwei österreichische Bundesländer, Wien und Tirol, praktisch ausschließlich aufgrund der zwei Olympischen Spiele. Daher ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar, warum eine dritte Bewerbung Tirols von den Bürgern abgelehnt wurde. Die Politik fragt zu viel, sollte mehr mutiger selbst entscheiden.

"Papa, es ist Zeit"

TT: Kommen wir zu Ihrem Unternehmen. Wie geht es Riedel in den USA?

Riedel: Sehr gut. Ich wurde von meinem Vater Georg mit 22 Jahren zum Chef in den USA gemacht, also ins kalte Wasser geworfen. Wir sehen uns als Nummer 1 unter den Wine-Glass-Companys. In den USA surfen wir auf einer Welle des Erfolges. 2000 machten wir 16 Millionen US-Dollar Umsatz, zuletzt 60. Ich möchte noch drei Jahre in Amerika bleiben und den Umsatz auf 100 Millionen Dollar pushen und auch Asien ankurbeln. Dann sage ich zu Papa, jetzt wird´s Zeit. Dann fühle ich mich bereit für die Übernahme.

TT: Apropos Übernahme. Wie wirkt sich die Übernahme von Spiegelau und Nachtmann aus?

Riedel: Wir haben lange überlegt und diskutiert. Letztendlich investierten wir viel Geld. Wir nutzen auch viele Synergien, produzieren für Riedel dort. Spiegelau ist selbst eine starke Marke, die wir jetzt auch in Amerika nach oben bringen wollen. Bei Nachtmann wird es schwieriger. Hier muss uns etwas einfallen.

TT: Schließen Sie sonst diese Produktion?

Riedel: Aus dem Nichts eine Marke aufzubauen ist schwierig. Wir haben jetzt eine Dancing-Stars-Serie auf den Markt gebracht. Es ist die allererste Glas-Serie mit Schliff. Und wir produzieren ohne Blei, sozusagen bleifrei. Meinem Vater ist es mit unseren Ingenieuren gelungen, diese weltweit einzigartige Fertigung auszutüfteln.

Bleifreie Gläser

TT: Werden auch sonst neue Wege beschritten?

Riedel: Ja. Wir versuchen, der Porzellanindustrie den Kampf anzusagen. Wir bieten Platz- und Essteller von Nachtmann an. Im Macy´s, einer der größten Kaufhausketten der USA, wird dieses Produkt offeriert. Darauf sind wir sehr stolz. Dass auch Starköche wie der Tiroler Daniel Angerer in New York im Klee auf unseren Tellern servieren, beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


25.09.2006, Frank Staud

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