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Investition in die Zukunft: Mineralmahlwerk Westerwald baut für 3,7 Mill. Euro

Feuerfeste Steine zu mahlen ist weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint.

Die Zeiten haben sich geändert: Früher, vor gut 20 Jahren, war die Tonne Bauxit für deutlich unter 50 Mark zu haben – Ende dieses Jahres dürfte die Tonne auf dem Weltmarkt mit 500 Euro gehandelt werden. Das schätzt Michael Marth, Geschäftsführer des Mineralmahlwerks Westerwald, und er erklärt das mit Blick auf die rasante Preisentwicklung auf den internationalen Rohstoffmärkten. Und so ist mit diesem Rohstoff auch das Mineralmahlwerk Westerwald immer wertvoller geworden: Das Weitefelder Unternehmen hat sich auf das Recycling von feuerfesten Materialien spezialisiert.

Die Zeiten haben sich geändert: In seinen ersten Jahren musste das Weitefelder Unternehmen noch von der Siegener Horn-Gruppe finanziell gestützt werden - heute ist das Mineralmahlwerk das umsatzstärkste Unternehmen in der Gruppe. Und dieser Trend scheint sich fortzusetzen: Im laufenden Jahr rechnen Marth und sein Geschäftsführer-Kollege Heinz Gräbener mit über 10 Prozent Umsatzplus. Grund genug, den Standort Weitefeld für die Zukunft zu rüsten: Die Horn-Gruppe investiert derzeit 3,7 Mill. Euro in neue Hallen und Maschinen.

Wer nur einen kurzen Blick auf das Betriebsgelände wirft, wird kaum an Labor-Analytik und Lasertechnologie denken: Auf dem rund 70000 Quadratmeter großen Areal lagern verschiedenste Materialien. Das Unternehmen recycelt hier vom normalen Schamottestein über verschiedene Bauxit- und Magnesit-Qualitäten bis zum diamantharten Zirkonsilikat die verschiedensten Feuerfest-Auskleidungen. Zulieferer vom Mineralmahlwerk Westerwald sind zum großen Teil Stahlwerke, aber auch Aluminium- und Glashersteller gehören mittlerweile dazu.

Auch wenn die feuerfeste Keramik Temperaturen von 1800 Grad Celsius aushält, nutzt sie sich im Laufe der Zeit ab und muss erneuert werden. Genau das ist die Aufgabe des Mineralmahlwerkes Westerwald: die angelieferten Ausbrüche sortenrein zu vermahlen und in den Produktionskreislauf an die Hersteller der feuerfesten Steine zurückzugeben. Dabei ist ein Wörtchen entscheidend: »sortenrein«. Wer mit Stoffen wie flüssigem Stahl oder Glas hantiert, muss sich darauf verlassen können, dass die feuerfesten Materialien wirklich den angegeben Temperaturen trotzen. »Wir bewegen uns in einem Metier, in dem die Qualitätssicherung höchste Priorität haben muss, weil von unserem Tun störungsfreie Produktionsabläufe bei unseren Kunden, aber auch Menschenleben abhängen können«, sagt Marth.

Also investiert die Unternehmensgruppe Horn in die technische Ausstattung: Derzeit werden drei neue Hallen gebaut – teils sollen sie als Lager dienen, teils aber auch für die Verarbeitung der Rohstoffe. Klar ist: Wenn übermannsgroße Gesteinsbrecher loslegen, wird’s laut und staubig. Genau deshalb sollen diese Arbeiten künftig in schallisolierten und geschlossenen Hallen vorgenommen werden. »Damit reduzieren wir die Lärm- und Staubemission«, erklärt Gräbener. Auch die Trocknungsanlage verschwindet vom Freigelände in eine Halle. Zudem werden mit den Neubauten der Hallen auch die Maschinen ausgetauscht: »Effektiver und mit weniger Energieverbrauch« solle künftig gearbeitet werden, informiert Gräbener weiter.

Insgesamt investiert das Unternehmen 3,7 Mill. Euro. Dabei betonen die beiden Geschäftsführer unisono, dass alle beteiligten Behörden – vom Gemeinderat über die Daadener Verwaltung und die Kreisverwaltung bis hin zur SGD Nord — eine unbürokratische und schnelle Abwicklung ermöglicht haben. Ohnehin passt der Standort Weitefeld gut ins Konzept – auch ohne Autobahn-Anbindung. Denn auch in Höhr-Grenzhausen haben sich die Zeiten geändert: Dort will das Land im Zuge der Clusterbildung »Metall/Keramik« in den kommenden Jahren für einen zweistelligen Millionen-Betrag ein Technologie-Zentrum für feuerfeste Materialien aufbauen. Außerdem wird an der dortigen FH eine Stiftungsprofessur eingerichtet – auch mit Fördermitteln von Horn. »Dort entsteht ein regionales Kompetenzzentrum, und davon profitieren wir auch«, sagt Marth. Seit zwei Jahren wird in Weitefeld ausgebildet: »Das Lamentieren über den Fachkräftemangel bringt uns nicht weiter«, sagt Marth, »wir müssen uns unsere Fachkräfte eben selbst ausbilden.«

Genau die wird das Mineralmahlwerk brauchen, denn das Ziel ist hoch gesteckt: »Wir wollen Technologieführer sein«, sagt Gräbener. Und das darf auch etwas kosten: Derzeit lässt das Mineralmahlwerk an einer Lasertechnologie arbeiten, die zur Analyse der Gesteins-Rohstoffe eingesetzt werden soll. Noch ist diese Technologie nicht wirtschaftlich, weil der Durchsatz pro Stunde noch nicht ausreicht: »Derzeit schafft die Maschine drei bis vier Tonnen pro Stunde. Interessant wird es, wenn es über zehn sind«, sagt Marth. Gräbener ist optimistisch: »Wenn uns bei dieser Technologie noch jemand überholen will, dann muss er sich wohl sehr anstrengen.« Also: Lasertechnologie und Gesteinsbrecher gehen in Weitefeld Hand in Hand – eben weil die Zeiten sich geändert haben.

 


15.08.2008, Mineralmahlwerk Westerwald

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