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Böhmisches Kristall vor Scherbenhaufen

In Tschechien droht die größte Firmenpleite seit zehn Jahren. Das Prager Stadtgericht hat am Montag das Insolvenzverfahren gegen den tschechischen Glashersteller Bohemia Crystalex Trading (BCT) eröffnet. Bestätigt das Gericht die Zahlungsunfähigkeit, ist der Konkurs unabwendbar. Dies wird spätestens in zwei Wochen feststehen.

Auf dem Spiel stehen rund 6.000 direkte Arbeitsplätze in insgesamt acht Betrieben. Von der Insolvenz ist auch die mit BCT verbundene Gruppe Porcela Plus bedroht, zu der vier Werke des Geschirrherstellers Karlovarský porcelán gehören.

Die Firmenleitung macht für die schlechte wirtschaftliche Lage den gesunkenen Absatz infolge der Immobilienkrise sowie den Wertzuwachs der tschechischen Währung verantwortlich. Den Konzern drückt ein Schuldenberg von insgesamt fast 4 Mrd. CZK (167 Mio. EUR). Der Großteil stammt noch aus der Zeit, als die Firmengruppe vor zehn Jahren an die Bank Investiční a poštovní banka (IPB) privatisiert wurde. Nach dem Bankrott der Bank blieb der Glaskonzern unter der Kontrolle der beiden Unternehmer Radovan Květa und Jan Souček. Die Hälfte der Aktien übernahm zusammen mit weiteren problematischen IPB-Aktiva der Staat. Dieser hat allerdings bereits abgelehnt, sich an einer Rettungsaktion zu beteiligen. Auch die Übernahme der vollständigen Kontrolle stehe nicht zu Debatte, hieß es vorige Woche unisono aus dem Finanz- und dem Industrieministerium.

Zuletzt hatte Crystalex Probleme, ihre Stromrechnungen zu zahlen, weshalb der Stromkonzern ČEZ zur Warnung für eine Stunde die Stromlieferung einstellte. Crystalex bräuchte Experten zufolge für die Aufrechterhaltung ihres Betriebs 500 Mio. CZK (21 Mio. EUR). Gegen neue Kredite bzw. eine Restrukturierung der Schuldenlast sprechen sich die Gläubigerbanken und Führung der ČSOB und Citibank aus. Im vergangenen Jahr setzte Crystalex 5,6 Mrd. CZK (205 Mio. EUR) um, generierte daraus aber nicht einmal 100 Mio. CZK (3,66 Mio. EUR) Gewinn.

Sollte es zur Insolvenz kommen, was wahrscheinlich ist, wird der Konzern als Ganzes nicht erhalten bleiben. Zu den überlebensfähigen Betrieben werden der Hersteller von Spezialglas und Glaskeramik Sklárny Kavalier sowie das Crystalex-Werk für Getränke- und Tafelglas im nordböhmischen Nový Bor gezählt. Wenig Chancen werden dagegen dem Bleiglaswerk in Poděbrady (Sklárny Bohemia) eingeräumt.


25.09.2008, Bohemia Crystalex Trading a.s.

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