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Atomare Struktur von Glas geklärtObwohl Glas zu den ältesten Werkstoffen der Menschheit gehört, wusste man bisher nur Rätselhaftes über das Innenleben von Glas zu berichten. Denn es wird zwar zu den Festkörpern gezählt, eigentlich ist es aber eine schockgefrorene Flüssigkeit mit scheinbar chaotischer Struktur. Mit dem Wissen über die Grundstruktur könne man sich nun an die Herstellung ultra-stabilen metallischen Glases machen, aus dem sich - hypothetisch - sogar Flugzeuge bauen lassen, schwärmt Paddy Royall von der Universität Bristol. Wie im Verkehrsstau Genauso zäh muss man sich die Zustände im Inneren von Glas vorstellen: Trotz der starren äußeren Erscheinung ist das durchsichtige Material eigentlich eine Menge aus momentan festgeklemmten Atomen, die sich dennoch langsam weiterbewegen.
Schon in den 1950er Jahren formulierte der Physiker Charles Frank die Hypothese, dass hinter dem "Atomstau" doch eine Struktur steckt und sich die Atome in Ikosaedern arrangieren. Ikosaeder verfügen über zwanzig gleichseitige Dreiecke als Außenflächen, 30 Kanten und zwölf Ecken.
Paddy Royall und seine Kollegen griffen die These des ebenfalls an der Universität Bristol tätigen Frank auf und überprüften sie experimentell. Das Problem dabei: Atome lassen sich mit Standardmikroskopen nicht beobachten, weil sie schlicht zu klein sind. Deshalb griffen die Forscher auf Kolloide zurück. Bildet man mit diesen winzigkleinen Tröpfchen, die vom Verhalten her Atomen ähneln, eine Flüssigkeit und kühlt sie ab, bildet sich ein Gel, dessen Teilchen Kristallstrukturen bilden wollen, aber nicht können - gleich wie bei Glas (Ausschnitt aus der atomaren Struktur siehe Bild oben). Es zeigte sich, dass auch dieses Gel aus Ikosaedern besteht, und die Komplexität dieser Struktur ist laut Studie dafür verantwortlich, dass Materialien wie Glas nicht fest werden. Im Unterschied zu Glas ist die Struktur von Metallen simpel: Beim Abkühlen bilden sie klar abgegrenzte Kristalle. Der vergleichsweise einfache Aufbau ist aber auch dafür verantwortlich, dass Metalle über Sollbruchstellen verfügen, wenn Druck ausgeübt wird, erklärt Paddy Royall gegenüber science.ORF.at: Die Verbindungen zwischen den Kristallen geben nach, das Material bricht auseinander. Demgegenüber könne man Glas aber auch aus Metallatomen herstellen. Metallisches Glas ist zwar nicht mehr durchsichtig, dafür ultrastabil, aber sehr teuer und aufwändig in der Herstellung. Die Entdeckung der inneren Struktur von Glas könnte die Herstellung vereinfachen, hofft Chemiker Royall. Die Ultra-Stabilität würde Metallglas für eine Reihe von Verwendungen attraktiv machen, nicht zuletzt für den Flugzeugbau. Bis sich die ersten Passagiere in ein Flugzeug aus Glas wagen, werden aber noch viele Jahre vergehen: Noch arbeitet die Wissenschaft an den Grundlagen. 26.06.2008, ORF News material on the Site is copyright and belongs to the Company or to its third party news provider, and all rights are reserved. Any User who accesses such material may do so only for its own personal use, and the use of such material is at the sole risk of the User. Redistribution or other commercial exploitation of such news material is expressly prohibited. Where such news material is provided by a third party, each User agrees to observe and be bound by the specific terms of use applying to such news material. We do not represent or endorse the accuracy or reliability of any of the info contained in any news or external websites referred to in the news.
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