Alles ist erleuchtet
Das ganze Farbspektrum leuchtet auf den Besucher nieder, der unter dem gläsernen Zelt des Diplomatischen Clubs in Riyadh Schatten sucht. Das "Herz-Zelt" von Frei und Bettina Otto steht seit 1986 in der saudi-arabischen Hauptstadt. Hergestellt hat es die Mayer´sche Hofkunstanstalt in München, die für ihre Glaskunst weltbekannt ist.
Neben der Mayer´schen Hofkunstanstalt hat sich auch die Bayerische Hofkunstmalerei Gustav van Treeck aufs internationale Parkett begeben. Sie erhalten Aufträge von Künstlern aus aller Welt, restaurieren und rekonstruieren Glasarbeiten. Der Münchner Stil ist gefragt.
Bildunterschrift: Brian Clarkes Stamford Cone
Die Nonnen des Klosters Saint Cecilie in Nashville haben einen Dominikuszyklus bestellt, der die alten Gläser im Stil des 19. Jahrhunderts ergänzen soll. Brian Clarkes "Stamford Cone" in Connecticut ist ein 14 Meter hoher bunter Glaskegel. Sitzt man drin und blickt nach draußen, hat man das Gefühl, Teil eines Kaleidoskops zu sein.
Faszination Glas
Münchner Stil: Jedes Antikglas ein Unikat [Faszination Kunst]
Seit etwa 200 Jahren gibt es Münchner Glaskunst. Im 19. Jahrhundert beschäftigten sich die Glasmaler vor allem mit der mittelalterlichen Glaskunst, untersuchten Lichtwirkung und Reflexion. Mehr als 20 Glaskunstbetriebe gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts in München. 1866 eröffnete Joseph Gabriel Mayer seine Hofkunstanstalt am Stiglmayerplatz. Inzwischen hat er Filialen in London, Paris und New York. Auch Gustav von Treeck gründete in dieser Zeit seine Firma. 1903 ernannte ihn der Prinzregent Luitpold von Bayern zum Königlichen Hofglasmaler. Beide Betriebe sind noch immer in Familienbesitz. Und beide sind sie weltbekannt, was auch daran liegt, dass sie nicht nur die mittelalterliche Glaskunsttechnik beherrschen, sondern auch mit der Zeit gehen und immer weiter nach innovativen Techniken suchen.
Immer am Puls der Zeit
Beim traditionellen Verfahren, der Zylinderblastechnik, erhält man eine gewellte Scheibe mit einigen eingeschlossenen Luftbläschen - solches Glas bricht und reflektiert das Licht ganz anders als eine glatte Scheibe. Völlig glatte Scheiben ergeben sich aus der sogenannten Floatglastechnik. Hier dient flüssiger Zinn als Träger für das Glas. Mit diesem flachen Glas arbeitet auch der slowenische Künstler Darko Lesjak, der sich die Beschaffenheit der Scheiben für seine Action Paintings im amerikanisch-expressionistischen Malstil zunutze macht. Inzwischen kann man sogar digitale Motive mit Schmelzfarben computergesteuert auf Glasplatten drucken. Für Mayer und van Treeck ist es wichtig, offen zu sein für neue Techniken. So entwickeln sie gemeinsam mit den Künstlern neue Herangehensweisen, um moderne Glaskunst umzusetzen.
05.05.2008, Mayer´sche Hofkunstanstalt
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